Ich sage jetzt etwas, das mir vermutlich ein paar böse Mails einbringt: In 25 Jahren und über 100.000 Teilnehmern habe ich zusehen können, wie die Erwartungen an ein Teamevent immer größer wurden – und die Bereitschaft, selbst etwas dazu beizutragen, immer kleiner. Das ist unbequem, und es gilt längst nicht für alle. Aber es ist der wichtigste Grund, warum manche Events zünden und andere verpuffen. Die gute Nachricht: Man kann es ändern – und zwar bevor der erste Teilnehmer den Raum betritt.
Die Zahlen sind ernüchternd
Fangen wir nicht mit meiner Meinung an, sondern mit Daten. Der Gallup Engagement Index zeichnet für Deutschland seit Jahren dasselbe Bild: Nur rund jeder Siebte fühlt sich seinem Arbeitgeber wirklich emotional verbunden. Die große Mehrheit macht Dienst nach Vorschrift, und der Anteil derer, die innerlich längst gekündigt haben, ist so hoch wie selten. Gleichzeitig steigen die Ansprüche – an Gehalt, an Benefits, an das Arbeitsklima, an Wertschätzung.
Diese Schere ist der Kern des Problems: hohe Erwartung, niedriges Engagement. Man möchte, dass es schön wird – aber jemand anderes soll dafür sorgen. Ein Teamevent landet genau in dieser Schere. Und dort entscheidet sich, ob aus einem guten Konzept ein guter Tag wird.
Was sich in 25 Jahren verändert hat
Als ich anfing, kamen Gruppen an und legten los. Da wurde angepackt, gelacht, mitgemacht – auch wenn es mal anstrengend, mal albern, mal nass war. Die Haltung war: „Wir machen das jetzt gemeinsam, und wir machen was draus."
Diese Haltung ist seltener geworden. Häufiger erlebe ich heute eine Erwartungshaltung, die man mit wenigen Worten zusammenfassen kann: „Bespaß mich, aber streng mich nicht an." Das Handy bleibt in der Hand, die Arme bleiben verschränkt, und im Hinterkopf läuft eine stille Bewertung mit, noch bevor überhaupt etwas passiert ist. Wird es dann nicht auf Knopfdruck grandios, ist schnell das Event schuld, der Trainer, das Wetter, die Aufgabe – nur nicht die eigene Zurückhaltung.
Ich sage das ohne Häme. Das ist kein Charakterfehler einzelner Menschen, sondern ein Muster, das mit unserer gesamten Konsumkultur zu tun hat. Wir sind es gewohnt, dass Erlebnisse geliefert werden – gestreamt, geliefert, gebucht, konsumiert. Ein Teamevent funktioniert aber nach einer anderen Logik. Und genau dieses Missverständnis kostet die meisten Events ihre Wirkung.
Der Denkfehler: Ein Teamevent ist kein Konsumprodukt
Ein Kinobesuch wird gut, egal wie man dasitzt. Ein Restaurant liefert das Essen, egal ob man gut gelaunt ist. Ein Teamevent ist anders – und das ist der entscheidende Punkt: Es ist keine Dienstleistung, die man passiv konsumiert, sondern eine Bühne, die die Gruppe selbst füllt.
Wir liefern den Rahmen: das Konzept, das Material, die Story, die Anleitung, ein erfahrenes Trainerteam, das den Laden zusammenhält und den Funken anfacht. Aber den Funken selbst zünden die Menschen. Wer mit verschränkten Armen dasteht und darauf wartet, dass es „gut wird", wird enttäuscht – nicht weil das Event schlecht war, sondern weil er nicht mitgespielt hat. Ein Teamevent gibt genau so viel zurück, wie die Gruppe bereit ist, hineinzugeben. Das ist keine Marketingfloskel, das ist Physik.
Am sichtbarsten wird das bei unseren Escape-Formaten. Bei einem Escape the City, Escape the Forest oder einer Crime Challenge reicht es nicht, körperlich anwesend zu sein – man muss aktiv mitdenken, kombinieren, Ideen einbringen und auch mal einen falschen Vorschlag riskieren. Wer sich hier zurücklehnt und darauf wartet, dass die anderen das Rätsel lösen, blockiert nicht nur sich selbst, sondern die ganze Gruppe. Genau deshalb trennt sich bei Escape Games am schnellsten die Spreu vom Weizen: Teams, die sich einlassen, geraten in einen regelrechten Sog und reden noch Wochen später davon. Teams, die konsumieren wollen, stehen ratlos vor der dritten Tür und schieben es hinterher aufs „zu schwere" Rätsel. Bei anderen Formaten ist der Effekt subtiler – aber vorhanden ist er immer.
Woran ich in den ersten zehn Minuten sehe, ob es ein guter Tag wird
Nach 25 Jahren spürt man das fast sofort. Nicht am Programm – das ist immer dasselbe erprobte Konzept. Sondern an der Haltung im Raum:
- Lehnen sich die Leute rein oder lehnen sie sich zurück? Wer eine Frage stellt, wer als Erster aufsteht, wer lacht – das sind die, die den Tag tragen.
- Was macht die Führungskraft? Steht sie am Rand mit dem Handy oder zieht sie das Team-Shirt über und macht mit? Nichts prägt die Haltung einer Gruppe so stark wie das Vorbild von oben.
- Sind die Leute freiwillig da? Ein verordnetes „Pflicht-Teamevent" gegen den Willen der Belegschaft startet schon mit angezogener Handbremse.
- Wird gewertet oder erlebt? Gruppen, die zuerst urteilen, verpassen den Moment. Gruppen, die sich einlassen, sind am Ende überrascht, wie gut es war.
Was Führungskräfte konkret tun können
Jetzt der konstruktive Teil, denn Meckern über das Meckern bringt uns auch nicht weiter. Die Haltung einer Gruppe ist kein Schicksal – sie lässt sich vorbereiten. Fünf Dinge, die aus meiner Erfahrung den größten Unterschied machen:
- Erwartung klären, bevor es losgeht. Kommuniziert vorher ehrlich: Das hier ist Mitmachen, kein Zuschauen. Wer weiß, dass er Teil des Spiels ist, kommt anders an, als wer eine Vorstellung erwartet.
- Freiwilligkeit ernst nehmen. Zwang killt jede Haltung. Ein Team, das darf statt muss, ist mit doppelter Energie dabei. Nehmt Bedenken ernst, aber verkauft das Event als Chance, nicht als Termin.
- Selbst mitmachen. Die wirkungsvollste Maßnahme kostet nichts: Als Chefin oder Chef mittendrin statt am Rand. Wenn die Leitung sich einlässt, traut sich der Rest auch.
- Nicht überfrachten. Ein Nachmittag rettet keine kaputte Unternehmenskultur und löst keinen schwelenden Konflikt. Wer ein Event mit zu vielen Erwartungen belädt, programmiert die Enttäuschung vor. Lasst es das sein, was es ist: ein gemeinsames Erlebnis.
- Nachbereiten. Ein kurzes „Was nehmen wir mit?" am nächsten Tag verankert das Erlebnis. Ohne Nachklang verpufft der beste Tag in der E-Mail-Flut.
Warum das direkt mit Zufriedenheit zu tun hat
Hier schließt sich der Kreis zu den Gallup-Zahlen. Zufriedenheit entsteht nicht durch das Konsumieren von Benefits. Kein Obstkorb, kein Kickertisch und auch kein Teamevent macht auf Dauer zufrieden, wenn man es nur passiv entgegennimmt. Zufriedenheit entsteht durch Beitrag, Zugehörigkeit und gemeinsames Erleben – dadurch, dass man selbst etwas gibt und Teil von etwas ist.
Ein Teamevent ist deshalb ein Katalysator, kein Automat. Es kann Zugehörigkeit spürbar machen, Rollen aufbrechen, Menschen ins Gespräch bringen, die sich sonst nur aus Meetings kennen. Aber nur, wenn die Beteiligten bereit sind, kurz die Konsumentenbrille abzunehmen. Wer nur nimmt, bleibt leer – egal, wie gut das Programm ist.
Fazit: Haltung schlägt Programm
Ja, die Ansprüche sind gestiegen und die Bereitschaft, selbst anzupacken, ist gesunken. Das ist real, das sehe ich jede Woche, und es lässt sich nicht wegdiskutieren. Aber es ist kein Naturgesetz, sondern eine Gewohnheit – und Gewohnheiten kann man ändern.
Die Teams, an die ich mich nach 25 Jahren am liebsten erinnere, waren nie die mit dem größten Budget. Es waren die, die sich eingelassen haben. Die anpackten, statt zu bewerten. Die kamen, um dabei zu sein, nicht um bespaßt zu werden. Diese Teams gehen jedes Mal beschenkt nach Hause – und ihre Zufriedenheit ist echt, weil sie sie sich selbst erarbeitet haben. Das schönste Programm der Welt kann diese eine Zutat nicht ersetzen. Die bringt ihr mit.
Wenn ihr ein Teamevent plant und wollt, dass es wirklich zündet, reden wir vorher über genau diese Haltung – nicht nur über Format und Preis. Schreibt uns, wir beraten kostenlos und ehrlich.
– René
Teamevent, das wirklich zündet?
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